U19 | Kurz vor Schluss

U19 | Kurz vor Schluss

Ein Fazit nach fünf Spieltagen zu ziehen ist für gewöhnlich nicht recht sinnvoll, aber mehr Zeit hatten wir (bisher) einfach nicht. Und ob noch viel mehr dazukommt, ist recht ungewiss. Daher schon jetzt eine Art (Vor-)Abschlussbericht.

Die Ausgangssituation

Es ist die letzte gemeinsame Saison des 2002er-Jahrgangs, verstärkt mit Spielern des 2003er-Jahrgangs. Wir sind uns hier bis zum Schluss treu geblieben, haben nur drei Neuzugänge dazu genommen und vorwiegend auf eigene Talente gesetzt. Es ging zu keinem Zeitpunkt darum, sich das bestmögliche Team zusammen zu sichten, sondern möglichst vielen der Spieler, die sich diesen Aufstieg erspielt hatten, die Möglichkeit zu geben, davon sportlich zu profitieren. Und damit den Spielern, die nicht nur schon lange im Verein sind, sondern Anteil an dieser sportlichen Entwicklung hatten. In der U16 noch in der Kreisliga ging es jedes Jahr eine Liga höher bis in die U19-Bayernliga.

Das Prozedere ist eigentlich immer das gleiche gewesen. Die Jungs mussten sich jedes Jahr an eine höhere Spielklasse anpassen, machen dabei viele Fehler, anfangs vor allem technisch, später in Form von falschen Entscheidungen – die sie noch dazu zu langsam treffen. Wir zeigen ihnen dann nach den Spielen, welche Lösungen besser gewesen wären und die Jungs müssen es anschließend in ihre nächsten Spiele bekommen. In den letzten Jahren hat es genauso funktioniert, doch mit jedem Jahr werden die Korrekturen eben schwieriger umzusetzen.

Es war von Anfang an klar, dass wir in dieser Spielklasse ums Überleben würden spielen müssen. Und das wollten wir schon, wir wollten spielen. Wir wollten nicht hinten drinstehen, wir wollten aktiv sein, wir wollten den Ball, wir wollten spielen – weil wir ausbilden wollen. Nach fünf Spielen und vier Niederlagen war man angekommen in der Realität – aber eben noch nicht auf diesem Spielniveau. 

Einschätzung

Letztlich sind wir in unseren Spielen an der Idee gescheitert, auf diesem Niveau, in der Bayernliga, weiterhin sehr offensiven Fußball zu spielen, weiterhin das Spiel machen zu wollen, und eben tatsächlich einfach zu spielen. Die Idee mag nicht verkehrt sein, aber wir sind daran gescheitert, sie umzusetzen. Ich durfte den Jahrgang 2002 fast fünf Jahre begleiten, weitere 2 Jahre die 2001er, und ein paar wenige Monate die 2003er – und das war die fußballerische Idee, von der ich immer der Meinung war, dass sie den Jungs für ihre eigene Entwicklung am meisten bringt. Und dabei bleibe ich. Am Ball aktiv zu sein, viele Ballkontakte im Spiel zu haben – Fußball zu spielen eben, nicht nur zu kämpfen. Mit dieser Idee sind sie in der B-Jugend in die Landesliga und in der A-Jugend in die Bayernliga aufgestiegen.

Wir haben uns nie über Ergebnisse Gedanken gemacht – weil wir es nie mussten. Wir haben die Jungs spielen lassen, und öfter als nicht, hat es Spaß gemacht, ihnen dabei zuzusehen. Wir haben auch in der Bayernliga nichts an dieser Grundidee verändert, wir haben nur versucht, neue Details hinzuzufügen. Aber offensiver Fußball lebt eben auch ein Stück weit davon, dass man sich Chancen erarbeitet, und diese Chancen dazu nutzt, Tore zu erzielen. Und man gleichzeitig durch den eigenen Druck, durch den eigenen Ballbesitz, den Gegner daran hindert, selbst zu guten Chancen zu kommen. Chancen zu erspielen, das ist uns mit Ausnahme des ersten Spiels gegen Rosenheim immer gelungen, in jedem Spiel sind die Jungs vor das gegnerische Tor gekommen, hatten genügend Möglichkeiten, die Spiele, die sie verloren haben, nicht zu verlieren. Aber der Rest ist uns eben nicht gelungen. Die eigenen Chancen zu verwerten und den Gegner daran zu hindern, durch eigenen Ballbesitz und gutes Gegenpressing selbst zu guten Torchancen zu kommen. Aber das sind nun einmal Schlüsselelemente des Spiels, Tore schießen und Tore verhindern, und das haben wir letztlich auf diesem Niveau nicht ausreichend gut genug gelöst. 

Die Jungs tragen hierfür nur bedingt die Verantwortung, letztlich war es eine Trainer-Entscheidung, ihnen auch in der Bayernliga eine spielerische Bürde aufzuerlegen, die sie noch nicht tragen konnten. Ich habe an eine Idee geglaubt, deren Umsetzung in den Spielen letzten Endes (noch) nicht funktioniert hat. So ehrlich muss man das feststellen. Wie heißt es so treffend, „Man gewinnt, die Mannschaft. Man verliert, der Trainer.“ Und trotzdem würde ich es genauso wieder angehen, doch die Details etwas verändern.

Wenn man aktiven statt reaktiven Fußball möchte, dann dauert es immer etwas länger, diese Spielidee auch in einer höheren Spielklasse möglichst erfolgreich umzusetzen. Wir hatten zwar in den meisten Spielen zunehmend mehr gute Ansätze, haben uns durchaus viele Torchancen erspielt, waren mit unserer Spielweise aber eben noch nicht erfolgreich. Diesen Zeitfaktor, den es dafür einfach braucht, habe ich sicherlich unterschätzt. Wir hätten mehr Zeit gebraucht, die wir aber einfach auf Grund der Umstände nicht hatten.

Als Trainer (in älteren Jahrgängen!) geht es aber eben immer auch darum, einen Kompromiss zu finden. Einen Kompromiss aus Ausbildung und Ergebnissen. Ausbildung bedeutet, die langfristige Entwicklung der einzelnen Spieler im Blick zu haben, und dazu eine Spielidee umzusetzen, die den Spielern hilft, heute Fähigkeiten zu entwickeln oder zu perfektionieren, die sie in späteren Jahren brauchen. Ergebnisse einzufahren bedeutet aber, vor allem auf die heute vorhandenen Fähigkeiten zurückzugreifen, die uns eben heute helfen, Spiele zu gewinnen, weil der kurzfristige Erfolg über allem steht. Es ist also meist ein ständiges Abwägen zwischen Gegenwart und Zukunft. Aber man wird hier als Trainer immer nachjustieren müssen.

Es ging aber eben auch darum, so vielen Eigengewächsen wie möglich die Chance zu geben, sich auf diesem Niveau weiter zu entwickeln. Nur war diese Entwicklung, die einzelne Spieler gemacht haben, in vielen Fällen letztlich nicht groß genug, um in dieser Liga zu bestehen. Das ist kein Vorwurf, sondern einfach eine Feststellung. Auch hier hätte mehr Zeit sicher geholfen. Dennoch waren es keine verlorenen Monate. Wer achtet denn auf die vergebenen Chancen, auf die verlorenen Zweikämpfe, wenn du deine Spiele trotzdem gewinnst? In der Landesliga hat das bisweilen funktioniert, in der Bayernliga nicht mehr. Man hat sich auch Chancen erspielt, aber die Realität war, dass wir individuelle Probleme im Abschluss hatten und letztlich auch defensiv vor allem individuell zu viele Fehler gemacht haben. Zu oft haben wir falsche Entscheidungen getroffen, am Ball, aber eben auch gegen den Ball, zu oft die Zweikampfhärte dieser Liga nicht angenommen und dem Gegner zu viel Zeit gegeben, wenn er den Ball hatte. Im Ballbesitzspiel hätte man mehr Geduld und Präzision gebraucht und beim Umschalten haben wir oft die richtigen Räume nicht oder zu spät erkannt und bespielt. Wenn die Jungs diese Erfahrungen mitnehmen, ehrgeizig an den eigenen Baustellen arbeiten, dann war diese Zeit für sie wichtig, denn ihre Entwicklung ist noch lange nicht am Ende.

Falls es noch mal weiter geht

Mit einem Punkt belegt man den achten und damit vorletzten Platz der Liga, die anstehende Aufgabe ist somit keine leichte. Aber Spieler müssen in ihrer sportlichen Laufbahn auch durch schwierige Phasen durchgehen, so wie beispielsweise in der Vorsaison, als man nach fünf Spieltagen mit drei teils heftigen Niederlagen auf dem drittletzten Tabellenplatz der U19-Landesliga angekommen war. Solche Phasen gehören dazu, sie sind nicht schön, aber für die eigene Entwicklung brutal wichtig. Damals haben wir uns auf Platz zwei hochgearbeitet, was dieses Mal möglich ist, sollte es nochmal weitergehen, wird man sehen. Der Unterschied zu damals ist allerdings ein ganz entscheidender: der Faktor Zeit. Damals hatten wir Zeit, die Jungs weiterzuentwickeln. Und so konnten sie sich eben nach und nach das notwendige Niveau erarbeiten. Genau diese Zeit haben wir dieses Mal nicht. 

Wir haben jetzt zwei Drittel unserer Saison gespielt, aber in der Pandemie sind zwei Drittel einer Saison gerade einmal fünf Spiele. Zu wenig Zeit, um große Entwicklungssprünge zu machen. In jeder anderen Saison, hätten wir mit genau diesen Spielern und genau dieser Art, die wir spielen wollen, die Aufgabe besser gelöst.

Was bleibt uns jetzt noch? Falls es weitergeht: drei Spiele. In diesen könnten wir unsere Ausbildungsidee über Bord werfen und hoffen, dass wir mit einem mehr auf Ergebnissen ausgerichteten Ansatz die notwendigen Punkte holen, um die Spielklasse eventuell zu halten. Oder wir können die letzten drei Spiele nutzen, um genau das zu tun, was wir in den letzten fünf Jahren immer versucht haben, und wie wir letztlich auch in die Liga gekommen sind – auszubilden.

Ob es noch einmal weitergeht, wissen wir alle nicht, aber es ist sicher nicht völlig unrealistisch, dass zum letzten Spiel vor dem Lock-Down kein weiteres mehr dazukommen wird. Wir alle wünschen uns das Gegenteil und die Möglichkeit auf einen sportlichen Abschied von dieser Saison, dieser Mannschaft – und für viele von uns auch vom FCI. Hoffen wir einfach auf den bestmöglichen Ausklang der gemeinsamen Zeit.